Anja Gelbarth läuft aktiv gegen Brustkrebs

Anja Gelbarth läuft aktiv gegen Brustkrebs

Es ist ein heißer Sommertag. Viele Menschen sitzen draußen vor den Lokalen und lassen den Tag ausklingen. Ich bin mit Anja Gelbarth in einem der Cafés in der Innenstadt verabredet. Wie werde ich sie erkennen? Gerade überhole ich eine Frau mit toller Figur, schickem Anzug und einem flotten Haarschnitt. Ich kenne nur ein Foto vom Lauf „Aktiv gegen Brustkrebs“ aus dem Jahr 2014 von ihr. Da läuft sie gemeinsam mit Norbert Lammert ins Ziel. Sie trägt Sportkleidung und hat nur wenige Haare auf dem Kopf. Dazu schrieb sie uns: „Im letzten Jahr habe ich erstmals an eurer schönen Laufveranstaltung teilgenommen. Es war für mich ein besonderer Lauf, da er nur knapp zwei Monate nach meiner letzten Chemotherapie stattgefunden hat. Das war wirklich eine schöne Veranstaltung an der ich bestimmt nicht das letzte Mal teilgenommen habe!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun sitzt die Frau mit dem Anzug im Café und schaut sich suchend um. Es ist Anja Gelbarth. Sie käme gerade direkt von der Arbeit und das Outfit sei sozusagen ihr Blaumann, scherzt sie. Ich schaue in ein offenes, fröhliches Gesicht und dann fragt sie mich aus über Leben, Beruf und Vorlieben. Als Journalistin bin ich zugegebenermaßen überrumpelt, denn das wäre doch eigentlich meine Rolle in diesem Gespräch. Ich bin neugierig, was Anja Gelbarth beruflich macht. Sie ist Bankerin und es gehört zu ihrem Job mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die ihr Geld zur Bank tragen. Sie arbeitet und lebt in Essen. Durch einen Zeitungsartikel war Anja Gelbarth auf den Solidaritätslauf „Aktiv gegen Brustkrebs“ aufmerksam geworden. Da hatte sie gerade die letzte Chemotherapie hinter sich. Sie entschied sich mitzulaufen. Acht Wochen nach der letzten Chemotherapiegabe startete sie im Bochumer Stadtpark und lief mit unserem damaligen Botschafter dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert ins Ziel.  Ihren prominenten Mitläufer erkannte sie an seinen Bodyguards. Sie war in der Ebene stärker, Lammert am Berg. Das Ziel erreichten sie gemeinsam.  Inzwischen würde Anja Gelbarth Norbert Lammert sicherlich davon laufen, denn nicht erst die Diagnose Brustkrebs brachte sie zum Sport. Vier- bis fünf Mal in der Woche ging sie Laufen, lebte gesund und war auch familiär nicht vorbelastet. Risikogruppe null. Noch am Tag der Stanzbiospsie ging Anja Gelbarth Laufen und empfand die körperliche Anstrengung als sehr hilfreich bei der Verarbeitung der Diagnose Brustkrebs. Und auch bei der Bewältigung der Therapie hat sie das Laufen als sehr fördernd erlebt: „Es hat mir dabei geholfen gut durch die Therapie zu kommen und auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie reduziert.“ Sie sagt aber auch, dass man in sich hineinhorchen müsse, um sich nicht zu übernehmen.

Sogar weiter gearbeitet hat Anja Gelbarth während der Therapie, um Halt in der Normalität zu finden. Sie sei offen mit ihrer Krankheit umgegangen, habe die Möglichkeit gehabt ihre Arbeitstage auf die Therapie abzustimmen und nicht zuletzt gute Kolleginnen und Kollegen, hätten sie unterstützt. „Nur der erste Tag mit Perücke war natürlich nicht so selbstverständlich.“ Sie habe auch wieder lernen müssen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu berücksichtigen. „Mein Mann, meine Familie und der Freundeskreis haben mich gut getragen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das so viel bedeutet. Es war ein schweres Jahr, in dem ich oft das Gefühl hatte, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Dennoch war es kein schlechtes Jahr. Es war intensiv und trotz allem auch mit viel Lachen verbunden.“

Die Therapie ist auch eine fremdbestimmte Zeit. Manche Patientinnen fallen danach in ein Loch. Anja Gelbarth hat in der Reha mit dem Kraulschwimmen begonnen, vergangenen Herbst hat sie sich ein Fahrrad gekauft. Sie habe inzwischen weniger Ehrgeiz im Laufen und wolle sich breiter aufstellen. Das bedeutet für Anja Gelbarth nicht weniger als Triathlon.

Ein Film, den sie besonders mag ist „Schmetterling und Taucherglocke“.  Der Kinofilm aus dem Jahr 2007 erzählt die Geschichte des 43-jährigen Jean-Dominique Bauby, Chefredakteur der französischen Ausgabe der Zeitschrift Elle, der einen Schlaganfall erleidet und nur noch das linke Augenlied bewegen kann,  jedoch geistig ohne Einschränkungen ist. Mit Hilfe des Augenzwinkerns diktiert er Buchstabe für Buchstabe ein Buch, in dem er sein Leben reflektiert. Das sei kein Film über ein schreckliches Schicksal, sondern über die Größe des menschlichen Geistes, urteilte die Filmkritik. Und in diesem Sinne möchten wir uns ganz herzlich bei Anja Gelbarth bedanken, dass sie uns mit ihrer Zuschrift gezeigt hat, dass unsere Botschaft „Aktiv gegen Brustkrebs“ wichtig ist und dafür, dass sie uns von sich erzählt hat.